Freitag, 9. Januar 2015

Rezension: "The Feminist Porn Book"



Muss man als Feministin Pornografie abstoßend finden? Die EMMA schreibt: Ob du Pornos guckst, weil du blöd bist – oder ob du blöd ­geworden bist, weil du Pornos guckst.“, bezeichnet Pornokonsumenten hierzulande also als „blöd“ und „dein Begehren als immer starrer und armseliger“. Kann man sich als Feministin also guten Gewissens für Pornografie interessieren? Zerstört Pornografie die Würde der Frau? Müssen wir als „gute Feministinnen“ PorNO sein?

Zum Glück gibt es „The Feminist Porn Book“. Die gesammelten Beiträge zeigen die Gegenseite. Was sagen sexpositive Feministinnen zu dem Thema? Im Louisoder Verlag ist es 2014 endlich auf Deutsch erschienen, mit einem Vorwort von Dr. Laura Méritt, die Kommunikationswissenschaftlerin, Sex-Aktivistin und Autorin ist. Als Initiatorin von PorYes und Feminist Porn Award Europe, ist sie prädestiniert, das Vorwort für ein so wichtiges Buch zu schreiben. Sagen Sie Hallo zur neuen Generation Porno. Was feministischer Porno ist, warum dieses Genre so wichtig ist, definiert die Einleitung. Porno kann mehr als nur „0815 Masturbation“. Feministischer Porno erschafft alternative Bilder. Etablierte sexuelle Normen können durch dieses Genre erweitert werden und ermöglichen dadurch eine freiere Sexualität. Aktuell ist das Ansehen von Pornos bei vielen Feministinnen verpönt, sie stellen sich aber auch gegen BDSM, o. ä. Der Leser erfährt aus erster Hand von den Porno-Kriegen in den 1980ern, Betty Dodson, Susie Bright, Clarissa Smith und Feona Attwood, Candida Royalle, Ms Naughty und Lynn Comella zeigen im ersten Teil des Buches „Porno produzieren, über Porno debattieren“, den langen Weg der sexpositiven Feministinnen. Das Spannende an dieser Sammlung ist die Vielfältigkeit der Autorinnen. So kommen Akademikerinnen, aber auch Pornostars (wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließen darf) zu Wort und bieten so verschiedene Inputs und Blickwinkel auf dieses umstrittene Thema der Sexarbeit. Betty Dodson ist beispielsweise eine der wichtigsten Verfechterinnen für die sexuelle Freiheit von Frauen. Sie leitete jahrelang Bodysex Workshops und ist auch heute noch mit 85 Jahren mit ihrem Motto „Better Orgasms. Better World.“ unterwegs. Ihrer Ansicht nach muss jede Frau in der Lage sein, sich selbstzubefriedigen. Andernfalls ist es gar nicht möglich Feministin zu sein, da man immer vom Mann abhängig sein wird, um sexuell erfüllt zu sein.

Pornografie muss also auch für Frauen attraktiv sein, so der Tenor der Beiträge. „Ein Film soll auf mehreren Ebenen berühren.“, so Susie Bright. Feministischer Porno verzichtet deshalb auf Klischees des Pornos, zeigt beispielsweise auch den Mann beim Orgasmus.

„The Feminist Porn Book“ ist für mich ein wichtiges Buch, das den Weg der Pornografie in den USA beschreibt, im zweiten Teil „Sehen und gesehen werden:“ aber auch durchaus andere Blickwinkel zulässt, wie den von Tobi Hill-Meyer einer multikulturellen Trans-Aktivistin und Filmemacherin, deren Ziel es ist Trans-Frauen ins lesbische und feministische Porno einzuführen. Wie kommt eine Frau dazu, sich als Pornodarstellerin zu vermarkten? Sind das überhaupt die oft angeführten Gründe der Pornogegner? Geldmangel und Aussichtslosigkeit? Oder ist der Einstieg vielleicht doch bewusster als wir denken?
Als Leserin haben Texte, die persönliche Erfahrungen beinhalteten, mehr Interesse bei mir geweckt. Der Weg von Susie Bright, als eine der ersten Pornokritikerinnen ist für mich spannender zu lesen, als akademisch hochtrabende Texte. Das schöne an einem Sammelband ist aber, dass ich diese Texte getrost überfliegen kann, da die Essays nicht auf einander aufbauen, sondern losgelöst voneinander lesbar sind. Als Einstieg in das Thema feministische Pornografie ist das Buch wunderbar geeignet, da es die Geschichte des Pornos beleuchtet, aber auch die Wege sexpositiver Feministinnen. Außerdem nehmen die Beiträge konservativen Feministinnen den Wind aus den Segeln, weil hier endlich auch Pornodarstellerinnen zu Wort kommen, die sich nicht entwürdigt fühlen.

Das Buch ist bei Louisoder erschienen und kostet 14,95 €.

1 Kommentare:

Harawas hat gesagt…

The blog is very nice.

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