Montag, 15. Juli 2013

Rezension: Chevy Stevens - "Never Knowing"



Titel: Never Knowing
Original: Never Knowing
Autor: Chevy Stevens
Verlag: Fischer
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Thriller
Seiten: 496
Preis: 8,99€


»In mir fließt das Blut eines Mörders. Ich habe Angst. Vor ihm. Und vor mir.«

Ein paar Wochen vor der Hochzeit mit ihrer großen Liebe Evan, beschließt Sara ihre leiblichen Eltern ausfindig zu machen. Ein Privatdetektiv soll Licht ins Dunkle bringen und ermittelt. Doch was er ihr zu sagen hat, übersteigt ihre Vorstellungskraft. Ihr Vater ist der berühmt berüchtigte Campside Killer und Sara das Ergebnis einer Vergewaltigung. Kein Wunder also, dass ihre leibliche Mutter nichts mit ihr zutun haben will. Sara versucht das Ganze zu vergessen, jedoch unterschätzt sie die mediale Aufmerksamkeit, die einem Serienmörder entgegen gebracht wird. Ein paar Tage später wird in diversen Internetforen publiziert wer sie ist. Und plötzlich klingelt das Telefon und ein Stimme sagt: „Sara. Ich bin’s, dein Vater. Ich will dich kennenlernen.“

„Was würde ich tun, wenn mein Vater ein Serienmörder wäre?“ – Die junge Mutter Sara muss sich nun mit dieser Frage herumquälen. Nachdem sie jahrelang verzweifelt versucht hat, die aufrichtige Liebe ihres Adoptivvaters für sich zu gewinnen, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als zu erfahren wer ihre leiblichen Eltern sind. Ihre Schwestern Lauren und Melanie, sind ihr auch keine besonders große Hilfe. Einzig von ihrer schwerkranken Mutter fühlt sich Sara akzeptiert. Grund genug also, aus einer depressiven Stimmungslage heraus, einen Privatdetektiv zu engagieren. Die Story mag an sich ja interessant sein, aber, bis zum Knackpunkt - also dem Moment, in dem der Leser erfährt, dass der Vater ein Killer ist, eher semispannend.
Und auch danach passiert nicht wirklich viel. Sara ist entsetzt darüber, dass in ihrem Blut die Gene eines Mörders fließen. Kann sich gleichzeitig aber plötzlich erklären, warum sie ihre Stimmungsschwankungen nie in den Griff bekommt. Stimmungsschwankungen sind gelinde gesagt aber untertrieben. Als sie Streit mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten hatte, schupste sie ihn die Treppe hinunter. Das lässt mehr an Gewaltbereitschaft und ein ausgeprägtes Aggressionspotenzial denken, als an Stimmungsschwankungen. Auch ihre Tochter, Ally, ist sehr launisch, Sara schiebt auch dieses Verhalten auf das neuste Familienmitglied. Beim Lesen der Geschichte wird jedoch ganz schnell klar, dass Ally einfach nur verzogen und egoman ist: sie schlägt Mitschülerinnen ohne Grund oder schreit ihre Mutter an, sobald etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellt. Ziemlich übliche Wesensmerkmale für verwöhnte Einzelkinder.

Nun versucht Stevens der Handlung einen neuen Kick zu verpassen. Ein Thriller der ohne die aktive Handlung des Killers auskommt, ist ja eher unüblich, eigentlich sogar unvorstellbar. Eines Tages klingelt das Telefon und jetzt, sollte der vermeintliche Albtraum also losgehen. Leider will Spannung nicht so Recht aufkommen. Telefonate mit einem Killer, das konnte schon spannender in „Nicht auflegen“ aus dem Jahr 2002 gesehen werden. In Saras Fall will ihr leiblicher Vater, John, seine Tochter kennenlernen und schickt ihr „Geschenke“, zum Beispiel Andenken an seine Opfer, die er jahrelang aufbewahrt hat.
Vielleicht ist das ganze schockierender, wenn man sich in die Lage von Sara hineinversetzen kann. Da aber leider sämtliche Protagonisten unsympathisch rüberkommen, fällt das schwer. Eine panische Mutter, die übertreibt, depressiv ist und am Ende einfach nur noch nervt - Sie stellt sich gegen ihren Verlobten, obwohl der ihr nur helfen will und unbedingt verhindern möchte, dass sie sich mit dem Serienmörder trifft. Der Verlobte Evan tritt als Gutmensch auf, den man bewundert. Immerhin hält er es mit einer psychisch labilen Frau aus, die undankbar und unberechenbar ist. Saras Tochter Ally ist die Sorte von Kind, die man sich selbst nicht wünscht und der Rest der Familie, lässt Sara eindeutig ihre Besorgnis spüren. Leider geht es ihnen nur um den Ruf der Familie und nicht um das Wohl von Sara. Der Serienkiller John bleibt eigentlich relativ farblos, er ruft an, er hört Stimmen und Geräusche, legt auf und ruft wieder an. Aber von einem taktierenden Killer, wie die Polizei ihn gerne bezeichnet, ist nicht viel übrig geblieben.

Wie auch in Stevens Debütroman „Still Missing“ ist die Erzählperspektive dieselbe. Das Buch ist in therapeutische Sitzungen aufgeteilt. Sara erzählt ihrer Therapeutin ihre Leidensgeschichte. Das war beim ersten Buch der Autorin noch innovativ und spannend. Den selben Stil einfach erneut zu verwenden, erscheint jetzt nur noch langweilig und unkreativ. Das mag daran liegen, dass der Thriller an sich nicht wirklich zu Herzrasen oder Panikattacken auf Grund des Spannungsbogen führt. Vielmehr tritt schnell Langeweile auf, da nun wirklich nicht viel mehr passiert, als das der Vater seine Tochter anruft und daraufhin diese die Polizei informiert.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass man getrost auf dieses Buch verzichten kann, wenn man auf plakativen Thrill steht. Es fließt kaum Blut in „Never Knowing“, wirklich überraschen kann die Handlung nicht und leider auch nicht fesseln. In jedem Fall zeigt das Buch, dass Blut dicker als Wasser ist und wir uns unsere Eltern nicht aussuchen können. 

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