Sonntag, 29. Juli 2012

Rezension: Melisse J. Rose - "Das Haus der verlorenen Düfte"



Titel: Das Haus der verlorenen Düfte
Originaltitel: The Book Of Lost Fragrances
Autorin: Melisse J. Rose
Verlag: rütten&loening
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Roman
Seiten: 474
Preis: 16,99€
Leseprobe

"Eins der Spiele, das sie erdachten, das Spiel der unerhörten Düfte, ließ sie nicht mehr los. Immer wieder setzten sie sich an die kleine Duftorgel, die er Vater im Spielzimmer aufgebaut hatte, und erfanden Parfüms, die sie verwendeten, um sich untereinander zu verständigen - einen kleinen Wortschatz der Düfte, den sie als Geheimsprache einsetzen konnte. Sie erfanden Rezepturen für Lachen und Weinen, Glück und Zorn, Hunger und Verlust."


Jac und Robbie L'Étoile müssen um die Familienparfümerie bangen. Während Robbie noch hofft, dass sich durch einen intensiv riechenden alten zerbrochenen Krug alles zum Guten wendet, hat Jac schon längst resigniert. Doch als sich herausstellt, dass die Scherben für viele von unschätzbarem Wert sind, muss Jac über ihren Schatten springen und sich der Welt der Gerüche hingeben. Denn von ihrem Geruchssinn hängt so einiges ab.

Der Anfang dieses Buches gestaltet sich unglaublich zäh. Die ersten 130 Seiten wird der Leser mit jeder Menge Charakteren konfrontiert und ich fühlte mich leicht überfordert.
Dabei hat alles so verheißungsvoll begonnen: Im Prolog lernte ich Giles L'Étoile kennen, Meister der Düfte - er befindet sich zusammen mit Napoleon im Jahre 1799 in Ägypten. Sie machen einen interessanten und durchaus romantischen Fund. Dies ist der rote Faden der sich durch das komplette Buch zieht und mir auch mit am besten gefallen hat.
Nach und nach werden jetzt die realistische wenn nicht eher pessimistische und verbitterte Jac, der Träumer und Optimist, sowie Buddhist Robbie, der Betrüger und Jacs Exfreund Griffin, der Therapeut Malachai und der mysteriöse Kunststudent Xie vorgestellt.
Erscheint jetzt vielleicht ein bisschen viel und ja, das ist es auch.
Nebst diesen Charakteren kommt nämlich auch noch die chinesische Mafia zum Zuge. Also jede Menge verschiedene Figuren, die in zunächst voneinander unabhängigen Kapiteln ihre Geschichte erzählen.
Trotz oder gerade wegen der Fülle von Figuren sind diese größtenteils farblos geblieben. Bis auf Xie ist gibt es keine Figur die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist und mit der ich richtig mitfiebern konnte. Leider sind bis zum Ende hin fast alle Personen für mich immernoch austauschbar gewesen und ich konnte keine richtige Bindung aufbauen.

Nach dem ersten Viertel nimmt die Handlung dann endlich Fahrt auf. Die Geschichten der Einzelnen werden zu einer großen gemeinsamen Geschichte verwoben - und endlich bekommt die Handlung den nötigen Drive, den ich vorher schmerzlich vermisst habe.
Der Kampf um die Scherben wird immer erbitterter und auch eine kleine Liebesgeschichte entwickelt sich.
Stetig steigert sich die Spannung und die Autorin hat auch noch die ein oder andere Überraschung in petto. Leider ist vieles voraussehbar und büßt damit dann wieder Spannung ein.

Ein riesigen Pluspunkt bekommt die Autorin, weil sie mir Themen wie Reinkarnation, Buddhismus und  die Unterdrückung in China und Tibet nah gebracht hat, ohne das es mich gelangweilt hat.
Durch die ganze Story hindurch ziehen sich neben der Welt der Gerüche diese Themen und ja ich kann es offen sagen, ich will noch mehr davon!
Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, dass für mich sehr hilfreich war. Dort konnte ich Wörter nachschlagen, die mir nicht bekannt waren. Größtenteils sind es Fachtermini aus dem Buddhismus und der Kunst der Düfte.

"Das Haus der verlorenen Düfte" ist wahrlich kein schlechtes Buch, die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil und beschreibt die Düfte unglaublich gut.
Melisse J. Rose hat lange Zeit zum Thema Reinkarnation recherchiert und war einige Zeit auf Entdeckungsreise in der Welt des Parfüms.
Dieses Fachwissen wird für den Leser auch ersichtlich, denn die Darstellung ist detailliert und nicht nur oberflächlich.

Also: Ein interessantes Gerüst für eine Geschichte, die neben klassischen Romanelementen auch ein eigentlich spannendes Abenteuer enthält. Der geschichtliche Hintergrund war richtig klasse und toll recherchiert.
Mir persönlich waren es aber zu viele farblose Charaktere, mit denen ich mich nicht anfreunden konnten, was die Geschichte leider ins Mittelmaß abrutschen ließ.



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