Sonntag, 15. Juli 2012

Rezension: John Friedmann - "Flaschendrehen furioso"


Titel: Flaschendrehen furioso
Autorin: John Friedmann
Verlag: Droemer
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Roman
Seiten: 393
Preis: 14,99 €

"Diese Nacht würde anders als die letzte keine Abkühlung bringen. Gut so, denn Abkühlung hatte sie 360 Tage im Jahr. Endlich kitzelte die Sonne nicht nur die oberste Hautschicht, sondern drang tief in den Körper ein, bis auf die Knochen, und gab ihnen neues Leben."


Drei unterschiedliche Pärchen und eine Singlelady müssen notgedrungen eine Ferien WG gründen, denn sie wurden vom Hausbesitzer hinters Licht geführt. Niemand will ausziehen und so beginnt ein spannendes Abenteuer mit einigen furiosen Ereignissen.

Eine großartige Geschichte und ein fantastisches Debüt! Mir hat "Flaschendrehen furioso" richtig gut gefallen. Voller Witz aber auch subtiler Ernsthaftigkeit wird hier über den Sinn des (Liebes)leben und das Verhalten grundverschiedener Menschen in Extremsituation geschrieben.
Die Reisenden sind allesamt sehr unterschiedlich und die Situation spitzt sich immer weiter zu.
Hier wären zum Beispiel der gutmütige Koch Carlo und seine kontrollierte und dominante Freundin Anna. Im Schlepptau haben diese die graziöse und kreative Elli. Während einer Pause treffen sie schon vor dem Ferienhausdisaster eher zufällig auf den arroganten, berechnenden Heiko samt blonder, naiver Freundin Sandra. Als letztes Pärchen kommen der Verschwörungstheoretiker Lutz mit der aufgedrehten, dauerbreiten Tina.
Das es hier zu Konflikten kommt, war ja irgendwie klar!
Und wenn es knallt, ja dann knallt es richtig! Die Dialoge sind schlagfertig, offen und ehrlich. Es wird abgerechnet und über die Strenge geschlagen - genau das verleiht dem Buch die Würze!
Neben den spritzigen Dialogen bekommt der Leser aber auch ein Gefühl für die wunderbare Umgebung. Denn die Villa ist so fantastisch beschrieben, dass ich am liebsten sofort mit Urlaub gemacht hätte. Verschiedenste Gerüche, Farbnuancen und dank der Architektin Elli auch fantastische Beschreibungen der Häuser die sie im Laufe des Urlaubs zu Gesicht bekommt, erwarten den Leser.

Der Autor springt im Roman frei von Person zu Person, so kommt kein Charakter zu kurz und bei jedem darf der Leser im Laufe der Handlung die Charakterwendung miterleben. Alle sieben Urlauber haben mit sich zu kämpfen und tragen zum Teil innere Konflikte aus - diese klären sich im Laufe des Buches auf und sorgen für jede Menge Zündstoff.
Trotz der witzigen Passagen bietet das Buch viel Tiefgang und der Autor arbeitet sich durch viele Stereotype, wie zum Beispiel die blonde, naive Krankenschwester - die so oberflächlich wirkt, sich im Laufe der Story aber zu einer echten Frau entwickelt die eine Meinung hat und auch vertritt.

"Flaschendrehen furioso" verliert nie an Tempo und ist spannend bis zum Schluss. Da wird es dann ein bisschen abgefahren und die Ereignisse überschlagen sich, aber so wurde mir nie langweilig.
Verdammt gutes Buch, was ich wirklich jedem empfehlen kann, der eine Urlaubslektüre sucht die man zwar gut durchlesen kann, die aber nicht nur oberflächliches Geplänkel beinhaltet, sondern einfach viel mehr bietet!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 
design by copypastelove and shaybay designs.