Mittwoch, 27. Juni 2012

Rezension: Rachel Joyce - "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"


Titel: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Originaltitel: The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry
Autorin: Rachel Joyce
Verlag: Krüger
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Roman
Seiten: 384
Preis: 18,99 €

"Die Leute kauften Milch, tankten ihre Autos auf, brachten Briefe zur Post. Und niemand wusste, welche entsetzliche Last sie mit sich herumschleppten. Welche unmenschliche Anstrengung es sie manchmal kostete, normal zu erscheinen, zugehörig zur scheinbar so einfachen Welt des Alltäglichen." Seite 110



Alles beginnt mit einem Brief. Nach zwanzig Jahren erhält Harold Fry ein Lebenszeichen einer ehemaligen Freundin, sie teilt ihm mit, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. In diesem Moment, so scheint es, legt sich ein Schalter in Harolds Kopf um und er beginnt zu laufen. Zum ersten Briefkasten, dann zum zweiten und immer so weiter bis er sich entschließt die 800 Kilometer bis zu Queenie zu laufen.

Was für ein fantastisches Debüt! Rachel Joyce sagt selbst, sie habe ihr Herz in dieses Buch gelegt und das merkt man mit jeder Zeile. Den Leser erwartet: liebevoll dargestellte Charaktere und eine wahnsinnig berührende Geschichte über das Leben, Freundschaft, Reue, Liebe und Tod.
Harold ist der typische Antiheld, er hat in seinem Leben nicht viel erreicht und führt eine Ehe gefüllt mit Schweigen. Im Laufe der Geschichte entwickelt er sich aber zu einer starken und bewundernswerten Persönlichkeit, die zeitweise sogar die starken Selbstzweifel vergisst.
Aber auch die Entwicklung seiner Frau Maureen hat mich begeistert, so merkt sie, dass sie die letzten Jahre wohl zuviel Ehrgeiz aufgebracht hat ihren Mann zu kritisieren als zu leben. Und ändert auf ihre Weise ihr Leben. Im Laufe des Buches wird dem Leser gerade durch die Perspektivwechsel erklärt, warum die Ehe der beiden gescheitert ist, und es kommt das ein oder andere Geheimnis zu Tage.
Als Leser und Beobachter erfährt man viel über Harold, aber auch über die vielen Menschen denen er begegnet.
Zwischen den Zeilen stehen viele versteckte Weisheiten, die man sich gerne zu Herzen nimmt und die zum Nachdenken anregen.
Nach und nach schließen sich immer mehr Personen Harolds Reise an, das störte mich irgendwann, denn ich hatte Harold so lieb gewonnen und mich interessierten diese Figuren überhaupt nicht. Kurz wurde dadurch mein Lesevergnügen gemindert, weil ich mich darüber echauffierte, wie diese Leute mit Harold umgehen.
An vielen Stellen erinnerte mich Harold an Forrest Gump - treudoof aber richtig liebenswert. Wie viele von uns würden schon für einen alten Freund insgesamt 1000 Kilometer zu Fuß gehen? Ich denke es werden nicht allzu viele sein.
Wer also Forrest Gump mag und gerne Literatur liest, die berührt, der sollte sein Geld in dieses Buch investieren - es ist ein Genuss!

2 Kommentare:

Kaugummiqueen hat gesagt…

Dieses Buch möchte ich auch gerne lesen und wandert dank deiner Rezension auf meiner Wunschliste :)
Grüße, KQ
kaugummiqueen.blogspot.de

kathrin hat gesagt…

Ich kann es dir wirklich nur empfehlen! :-))

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